In Zürich-Hirzenbach gehört die Ökologie zum Alltag. Umgesetzt wird seit Jahrzehnten, was sich als sinnvoll erweist und finanziell tragbar ist. Ohne den Grünen Güggel, wie Pfr. Franco Sorbara berichtet:
Bis 2018 war die Kirchgemeinde Zürich Hirzenbach Teil des Stadtverbandes Zürich. Dass sie als Teil Schwamendingens eine der einkommensschwächsten reformierten Kirchgemeinden war, bekam sie besonders bei Bauvorhaben massiv zu spüren, aber auch bei den Stellenprozenten. So kamen wir sogar in die Situation, dass das Sekretariat zwei Jahre lang von einer freiwilligen Person geleitet wurde.
Und doch habe ich seit meinem Arbeitsbeginn im Jahr 2011 den Umgang mit dem Thema Bewahrung der Schöpfung als organischen Teil der Kirchgemeinde erlebt. Wie selbstverständlich, auch aus bewusster Glaubensüberzeugung heraus, wurde jeweils das getan, was sich mit den vorhandenen Ressourcen umsetzen liess.
Seit wir selbständige Kirchgemeinde sind, hat sich daran nichts geändert. Seit Jahrzehnten werden auf den Grünflächen um die Kirche herum Stauden und Bäume mit essbaren Früchten gepflegt. Wiesen werden in Zeiten sporadischer Nutzung selten gemäht. Vor ca. 20 Jahren wurden auf Kirchengebäude und Pfarrhaus Solarmodule zur Warmwassererzeugung installiert.
Bewegungsmelder steuern seit vielen Jahren nahezu die gesamte Beleuchtung in den öffentlichen Bereichen. Seit der Eröffnung des Quartiercafés COFFEE&DEEDS vor bald 11 Jahren gehört Nachhaltigkeit zum Grundgedanken dieses Projekts: lokale Backwaren, lokale Getränke, saisonal ausgerichtete Speisen. Die LED-Beleuchtung hat richtig viel Geld gekostet.
Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass die Stefanskirche ersetzt werden kann, wurde die Idee des Stefansviertels (www.stefansviertel.ch) geboren. Ein multifunktionaler Neubau soll Kirche, Kirchenräume und Pfarrhaus ersetzen, da diese sanierungsbedürftig sind. Ökologisch soll das neue Gebäude vorbildhaft sein, mit nachhaltiger Bauweise und einem möglichst grossen Anteil selbst produzierter – Treibhausgas-freier – Energie. Selbst eine Erdsonde steht im Bauprogramm, da in Zürichs Fernwärme noch mehr als 30% Erdgas enthalten ist.
Ein grosses Projekt, das schon lange umgesetzt sein sollte. Doch eine veränderte Wirtschaftslage offenbarte, dass etwa neun Millionen Franken fehlen, damit der Neubau auch für die Kirchgemeinde nachhaltig betrieben werden kann. Das Fundraising ist angelaufen. Wir warten auf Stiftungen und Menschen, die uns unter die Arme greifen.
Ein Label haben wir für unsere Bemühungen bisher nicht gebraucht, denn unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zählen wir zum integralen Bestandteil kirchlichen Handelns. Deshalb hat bisher auch niemand den Aufwand einer Zertifizierung oder Rezertifizierung vermisst.
Wir setzen um, was sich als sinnvoll erweist und finanziell tragbar ist, in allen Bereichen, nicht nur in ein paar vordefinierten. Mit dem Ziel, den biblischen Auftrag des Bewahrens zu leben – nicht um Zertifikatsbedingungen abzuhaken. Mit dem Zeitplan des Möglichen und nicht dem Zeitplan einer Frist.
Ein Förderverein hilft uns, dass wir auch in Zukunft handlungsfähig bleiben, denn neben dem, was uns als Kirchgemeinde wichtig ist, steigen die administrativen Anforderungen seit Jahren. Eine breit verankerte Freiwilligenkultur bietet aber Raum, dass sich jederzeit auch Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz bilden können. Zur Ehre Gottes. Und zum Nutzen für uns alle.