Pfarrerin Milva Weikert hat in ihrer Gemeinde die Zertifizierung erlebt:
Die Kirchgemeinde Andelfingen wurde im Sommer 2025 mit dem Umweltlabel «Grünen Güggel» zertifiziert. Ich finde das Projekt sinnvoll und bereichernd, jedoch klar im bisherigen freiwilligen Rahmen als mögliches Schwerpunktprojekt mit Anreizsystem und somit ohne Zwang.
Denn eine nachhaltige und gute Umsetzung ist nur möglich, wenn genügend Ressourcen vorhanden sind und wenn die Gemeinde motiviert ist. Wir haben in Andelfingen ein Freiwilligenteam «Grüner Güggel», das mit Mitmachaktionen die Gemeindemitglieder einbezieht und mit auf den Weg nimmt.
Ein Zwangssystem hingegen führt oft nicht zu mehr, sondern zu deutlich weniger Motivation – bis hin zu einer Oppositionshaltung gegen «die da in Zürich». Auch sind das Güggel-Obligatorium und ein kirchliches Netto-Null-Ziel unnötig, da klare staatliche Klimaschutz-Vorgaben bereits vorhanden sind und viel bewirken.
Weiter haben die letzten politischen Abstimmungen (das deutliche Nein zu Netto Null 2040 im September 2025 und am 8. März die Ablehnung der Klimafonds-Initiative mit 71% Nein-Stimmen) klar gezeigt, dass eine Verschärfung der Umweltmassnahmen nicht dem Volkswillen entspricht.
Noch stärker fällt für mich die Ressourcenfrage ins Gewicht. Manche, vor allem kleinere Gemeinden haben aufgrund diverser zu bewältigender Aufgaben schlicht keine Kapazitäten, ein solches aufwändiges Zertifizierungssystem einzuführen. Es ist ohnehin schon schwierig, Behördenämter zu besetzen; das wird sicher nicht einfacher, wenn noch mehr verpflichtende Verwaltungsarbeit vorgegeben wird.
Darum stimme ich – im Sinn eines motivierten Klima-Engagements, aber ohne noch mehr Bürokratie in der Kirche – nein zum Gegenvorschlag des Kirchenrates.