Der bürokratische Aufwand für die Zertifizierung mit dem «Grünen Güggel» bindet zu viele Ressourcen, die für direkte kirchliche Aufgaben eingesetzt werden könnten. Dies schreibt Lukas Kiefer, Leiter Hausdienst der Kirchgemeinde Winterthur Seen.
Ich freue mich sehr, in einer Kirchgemeinde tätig zu sein, wo ökologisches Verhalten einen hohen Stellenwert hat. Bereits im Jahr 2021 hat die Kirchgemeinde Winterthur Seen als eine der ersten die Zertifizierung mit dem «Grünen Güggel» erreicht.
Massnahmen wie Nistkästen für Vögel und Mauersegler, konsequentes Recycling, ressourcensparendes Verhalten und ökologische Reinigungsmittel sind umgesetzt. Die Magerwiese vor dem Kirchgemeindehaus in Winterthur Seen hat eine sehr hohe Qualität und ist auch für die Bevölkerung eine Augenweide.
Im Dezember 2025 erfolgte die Rezertifizierung des «Grünen Güggels». Mit sehr grossem Aufwand haben wir einen 30-seitigen Umweltbericht erstellt, um die getroffenen Massnahmen zu quantifizieren. Wir haben Verbrauchsdaten in Tabellen erfasst und nach Begründungen für Abweichungen gesucht. Wir waren dankbar, dass der Aufwand mit dem erfolgreichen Bestehen der Rezertifizierung belohnt wurde. Und schon steht das nächste, jährliche interne Audit vor uns.
Das Fazit der letzten Jahre mit dem «Grünen Güggel»: Ökologie im Rahmen der Kirchgemeinde ist sehr wichtig und wertvoll und für uns eine Selbstverständlichkeit. Der bürokratische Aufwand der Zertifizierung bindet aber zu viele Ressourcen, die für direkte kirchliche Aufgaben eingesetzt werden könnten. «Tue Gutes und sprich davon» muss auch ohne Zwang möglich sein, sonst stimmt die Motivation dahinter nicht.
Wir werden in Zukunft mit knapper werdenden finanziellen und personellen Ressourcen zunehmend schauen müssen, wo wir unsere Arbeitskraft investieren. Ich möchte die Kraft für die Arbeit mit Menschen einsetzen und nicht für Dokumente und Aufzeichnungen, die nur für die Zertifizierung gebraucht werden und nachher in der Schublade verschwinden.
Ich werde Nein stimmen zum Gegenvorschlag des Kirchenrates, weil mir Menschen wichtiger sind als überbordende Bürokratie.